Das leere Versprechen des Sekulic-Turniers
Das OK des Memorial-Sekulic Turniers 2019 hat den teilnehmenden Nachwuchskickern eine Reise in den Europapark Rust in Aussicht gestellt. Die meisten Reisen wurden abgesagt. Recherchen zeigten, dass es einige Zeit später zu Strafanzeigen gegen das OK kam. Und schliesslich leitete das OK selbst rechtliche Schritte gegen ein Mitglied ein. So kam es zu den folgenden drei Artikeln über gut ein Jahr verteilt.
Teil 1: Enttäuschte Kinder
Freiburger Nachrichten, 20. November 2019

Das OK des Sekulic-Turniers Plaffeien hat den teilnehmenden Nachwuchskickern eine Reise in den Europapark Rust in Aussicht gestellt. Die meisten Reisen wurden aber abgesagt. Zurück bleiben enttäuschte Kinder, offene Fragen und ein schweigendes OK.
Seit bald 60 Jahren ist das Mémorial-Sekulic-Turnier ein fester Bestandteil in der Fussballsaison von jungen Kickern im Kanton. Diesen Sommer fand das Turnier in Plaffeien statt und lockte rund 5000 Kinder aus 514 Mannschaften in das Sense-Oberland. Beim Grossanlass standen 25 000 Zuschauer an der Seitenlinie und feuerten die Teams an. «Das Turnier war ein voller Erfolg», sagte OK-Präsident Hanspeter Piller nach Abschluss der drei Turniertage Ende Juni gegenüber den FN. Noch ahnte er wohl nicht, dass das Sekulic-Turnier bis Mitte November für Gesprächsstoff und Unmut sorgen wird.
Reisen wurden verschoben
Am Anfang des Unmuts stand ein Versprechen: Jede Mannschaft in Begleitung eines Erwachsenen kann gratis einen Tag im Europapark Rust verbringen. Weitere Begleitpersonen können gegen Bezahlung ebenfalls mitreisen. Von den 5000 Kindern nahmen 1360 das Angebot an. Im August fuhr dann auch die erste Reisegruppe, rund 400 Kinder plus Begleitpersonen, in den Freizeitpark in Rust. Für die restlichen Kinder aber kam dann die Hiobsbotschaft: Die Termine für die nächste Reise im Sommer wurden annulliert. «Uns fehlen die Paten», erklärte Arnold Krattinger, Verantwortlicher für Marketing und Sponsoring vom OK, Ende August den FN. Während der Sommerferien sei es dem OK nicht möglich gewesen, genügend Geldgeber zu finden, um die offerierten Reisen für die Kinder zu finanzieren. Zudem hätten sich zu wenig zahlungswillige Begleitpersonen gemeldet, sagte Krattinger. Gemäss einem Trainer des FC Ueberstorf kostete die Reise für zusätzliche Begleitpersonen 105 Franken. Kinder, die zusätzlich zur Mannschaft mitreisen wollten, zahlten 95 Franken. Die Kosten hätten die Fahrt, einen Lunch sowie den Eintritt beinhaltet. Die Mannschaft des Trainers vom FC Ueberstorf habe allein 990 Franken einbezahlt. Bereits im August war also klar: Für die Durchführung der versprochenen Reisen war die Finanzierung nicht zum Vornherein gesichert. Krattinger gab sich jedoch zu diesem Zeitpunkt zuversichtlich. Er glaubte daran, dass die Reise in den Herbstferien Ende Oktober durchgeführt werden könnten.
Forderung nach Geld
Anfang Herbst kamen Gerüchte auf, dass auch die Reisen im Oktober möglicherweise abgesagt würden. Auch dem Trainer des FC Ueberstorf kam dies zu Ohren, und er informierte sich bei Krattinger über den Stand der Dinge. In einem Brief an die Plaffeier Sekulic-Verantwortlichen, der den FN vorliegt, beschreibt er diese Kontaktaufnahme, aber auch die Forderung von Krattinger. Der FC Ueberstorf solle drei Göttis finden, die je 500 Franken organisieren, damit die Reise durchgeführt werden könne. Den Rest würde Krattinger selber übernehmen. Diese Forderung ging dem FC Ueberstorf zu weit. «Das geht gar nicht», schrieb der Trainer im Brief.
Fehlende Kommunikation
Der Tag der Abfahrt in den Europapark rückte näher, doch seitens der Organisation kamen keine weiteren Informationen. So hat sich Fabrice Scherwey aus Heitenried über die Abfahrtszeiten direkt beim Reiseveranstalter informiert. Vom Reiseunternehmen Buchard Voyages kam dann die Absage des Europaparktrips. «Sich mit vorgeschossenen Lorbeeren zu schmücken, war für das OK kein Problem, den Fehler aber einzugestehen und die Mannschaften und die Teilnehmer zu informieren, war dann aber doch zu umständlich», schrieb Fabrice Scherwey in einem Leserbrief an die FN.
Auf der Website des Turniers wurde die Absage der Europaparkreisen schliesslich offiziell: «Mit schwerem Herzen und grossem Bedauern kündigen wir die Annullierung der Abfahrten für den Europapark an. Tatsächlich ist es der Sekulic-Organisation nicht möglich, diese Fahrten zu finanzieren.» Begleitpersonen, die bereits Geld bezahlt hätten, werde das Geld zurückerstattet. Diese Information leitete das OK Anfang November auch via den Freiburger Fussballverband an alle Fussballklubs weiter. «Eine Begründung erhielten wir aber nicht», sagte der Trainer des FC Ueberstorf, der auch keine direkte Antwort auf sein Schreiben an die Verantwortlichen erhielt.
FC Plaffeien bezieht Stellung
Der FC Plaffeien war als Gastgeber zwar Teil des OK, die Klubführung distanziert sich aber vom weitgehend misslungenen Reiseprojekt. «Die Organisation der Reisen war vom Turnier abgekoppelt im Bereich Marketing und Sponsoring und lief nicht über das eigentliche Turnier-OK», erklärte der Präsident des FC Plaffeien, Andreas Schrag, den FN auf Anfrage. Daher sei die Finanzierung zu wenig intensiv kontrolliert worden. «Als dann die ersten Rückstände bemerkt wurden, war es für eine folgenlose Absage leider schon zu spät», so Schrag. Ansonsten wäre es zu einem grossen, irreparablen finanziellen Schaden für den Verein gekommen.
Das OK schweigt
Die FN haben seit Bekanntgabe der Absage im Oktober versucht, die verantwortlichen OK-Mitglieder zu den Hintergründen des Reiseversprechens zu befragen. Eine Stellungnahme wurde zunächst auf Anfang November in Aussicht gestellt, blieb aber aus. Nach erneutem Nachfragen sagte Hanspeter Piller, OK-Präsident, gegenüber den FN, dass man die Sache für den Moment Ruhen lassen wolle und im Dezember ein offizielles Statement formulieren werde. Ohne die Antwort seitens des Marketingverantwortlichen Krattinger bleibt es also unklar, warum die Reisen versprochen wurden, ohne die nötigen finanziellen Mittel im Vorfeld bereitzustellen.
Gerüchteküche:
Verschuldung und nicht übergebene Tombolapreise?
Zum Wirbel um die nicht zustande gekommenen Reisen in den Europapark kamen in den letzten Wochen verschiedene Gerüchte auf. So habe etwa der FC Plaffeien wegen des Turniers hohe Schulden angehäuft. Klubpräsident Andreas Schrag dementiert dies. Sämtliche Ausgaben seien ohne Schulden finanziert worden. «Fakt ist aber, dass wir noch auf Zahlungen von Schuldnern warten, die für einen positiven Finanzabschluss durchaus benötigt werden.» In Gang kam die Gerüchteküche auch wegen angeblich nicht ausgelieferter Tombola- und Lottogewinne. FC-Präsident Schrag sagte dazu den FN, dass ein Auto wegen der Absage der Europapark-Reisen nicht verlost werden konnte. Zwei Autos seien hingegen als Tombola- und als Lottopreis an die glücklichen Gewinner übergeben worden. Ein weiteres Auto sei als Hauptgewinn einer zweiten Tombola zwar bereitgestanden, bis zum Ablauf der Abholfrist aber nicht eingelöst worden.
Teil 2: Rechtliche Schritte gegen das Sekulic-Turnier
Freiburger Nachrichten, 4. Februar 2020

Bei der Staatsanwaltschaft Freiburg sind zwei Klagen wegen Veruntreuung gegen das Mémorial-Sekulic-Turnier in Plaffeien eingegangen. Klägerin ist die Krankenversicherung Concordia. Die Verantwortlichen des Turniers weisen die Vorwürfe zurück.
Das traditionsreiche Fussballturnier Mémorial Sekulic ist zum Fall für die Justiz geworden. Die Krankenversicherung Concordia hat gegen die Organisatoren des Turniers in Plaffeien eine Strafklage wegen Veruntreuung eingereicht. Die Staatsanwaltschaft Freiburg bestätigte den FN, dass im Dezember zwei Strafklagen eingegangen sind. Der zweite Kläger ist den FN nicht bekannt. Zurzeit läuft eine polizeiliche Voruntersuchung. Sie soll zeigen, ob überhaupt Grund für ein Strafverfahren besteht. Ein solches wurde gemäss Staatsanwaltschaft bisher nicht eröffnet. Bis zu einem allfälligen rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Reisen in den Europapark
Ein Blick zurück: Ende Juni des vergangenen Jahres haben am Sekulic-Turnier in Plaffeien 514 Mannschaften und gut 5000 Kinder teilgenommen. Als besonderes Teilnehmergeschenk versprach das OK jedem Nachwuchskicker eine Reise in den Europapark Rust.
Im August fuhren 400 Kinder und ihre Begleitpersonen in den Freizeitpark. Die weiteren Fahrten wurden vorerst verschoben. Das OK versuchte, bis zum Herbst Geldgeber für diese Reisen zu finden – vergeblich. Es kam zur Absage mit der Begründung, dass es dem OK des Sekulic-Turniers nicht möglich gewesen sei, die Fahrten zu finanzieren. Das sorgte bei den Kindern für Enttäuschung (die FN berichteten).
Paten für Fussballklubs
Um die Europapark-Reisen zu finanzieren, konnten private Gönner oder Unternehmen zwischen verschiedenen Sponsoringmöglichkeiten wählen. Als sogenannter Europapark-Goldsponsor bezahlten sie 1100 Franken ein. «Sie finanzieren damit einer Mannschaft die Hin- und Rückfahrt inklusive Verpflegung im Car und den Eintritt in den Europapark in Rust», stand im Sponsorendossier des Turniers. Die Krankenversicherung Concordia übernahm eine solche Patenschaft für den FC Bas-Gibloux. Damit wollte das Unternehmen dem Verein die Reise in den Europapark finanzieren, wie Astrid Brändlin, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf Anfrage mitteilte.
Im August, also nach dem Turnier, habe Concordia den Betrag zuhanden der Turnierverantwortlichen überwiesen. Arnold Krattinger, Sponsoring- und Marketingverantwortlicher des Mémorial Sekulic in Plaffeien, bestätigte auf Anfrage, dass Concordia diese Summe einbezahlt hat. Sie sei Teil eines Arrangements gewesen für eine Standpräsenz. Konkret habe er der Concordia mit der Einzahlung der Patenschaft einen Stand auf dem Turniergelände zum halben Preis angeboten, also für 1500 statt 3000 Franken.
In der Zwischenzeit kamen Gerüchte auf, dass die verschobenen Reisen möglicherweise nicht stattfinden würden. Am 3. September bat Concordia deshalb die Vertreter des Turniers, die Situation zu klären. «Leider hat Mémorial Sekulic 2019 nie auf die E-Mails reagiert», so die Medienverantwortliche. Auch der FC Bas-Gibloux erhielt keine Informationen zum möglichen Datum der Reise. Schliesslich publizierte die Organisation des Turniers auf ihrer Webseite die offizielle Annullation der Reisen. Diese galt auch für den FC Bas-Gibloux.
Keine Rückzahlung
Am 9. Oktober habe deshalb der Rechtsdienst der Concordia die Forderung gestellt, den Betrag von 1100 Franken innert zehn Tagen zurückzubezahlen. «Erst am 27. Oktober 2019 meldete sich eine Vertreterin von Mémorial Sekulic per E-Mail beim Rechtsdienst der Concordia und stellte eine Stellungnahme in Aussicht.» Mitte November habe sich der Sponsoring- und Marketingverantwortliche des Turniers bei dem Unternehmen gemeldet. «Im Wesentlichen verweigerte er eine Rückzahlung der 1100 Franken mit der nicht nachvollziehbaren Begründung, man habe der Concordia im Gegenzug einen Rabatt für eine Standaktion gewährt», teilte Astrid Brändlin weiter mit. Er sei vom Rechtsdienst der Concordia aufgefordert worden, seine Aussage mit Belegen zu untermauern. Concordia habe die Verantwortlichen schliesslich «unter Androhung rechtlicher Schritte zum letzten Mal aufgefordert, den Betrag von 1100 Franken zurückzubezahlen». Danach habe Concordia nichts mehr von Vertretern des Turniers gehört und auch das Geld nicht zurückerhalten.
Arnold Krattinger erklärte gestern diesen Umstand gegenüber den FN wie folgt: Er hätte das Geld problemlos zurückerstattet, wenn Concordia daraufhin den vollen Preis für den Stand bezahlt hätte. Auf die Rückerstattung von 1100 Franken hätte er also eine Rechnung von 1500 Franken – der Hälfte der Standkosten – ausgestellt. «Es ist nichts mehr passiert, und so dachte ich, es habe sich erledigt», sagte Arnold Krattinger.
Das OK wurde nicht informiert
Überhaupt wolle das Organisationskomitee des Memorial Sekulic zu den beiden Strafklagen keine weitere Stellung beziehen. Denn wie OK-Präsident Hanspeter Piller gestern den FN mitteilte, habe das OK keine Kenntnis von einer Strafklage und könne daher keinen Kommentar abgeben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte unterdessen, die betroffenen Personen bisher nicht aktiv kontaktiert zu haben. «Wir haben unsere Rechnungen bezahlt», sagte Arnold Krattinger. Er habe ein ganz sauberes Gewissen bezüglich seines Arrangements mit Concordia.
Information:
FC Bas-Gibloux fährt in den Europapark
Die Reise des Fussballclubs Bas-Gibloux in den Europapark Rust wurde von der Organisation des Mémorial Sekulic 2019 im Herbst abgesagt, obschon die Krankenversicherung Concordia für den Klub die Kosten von 1100 Franken mit einer Sponsoring-Patenschaft übernommen hatte. Das Unternehmen hat dem Fussballklub nun zusätzlich 1100 Franken bezahlt, damit die enttäuschten Kinder und Jugendlichen die Reise in den Europapark doch noch antreten können, wie Astrid Brändlin, Leiterin der Unternehmenskommunikation, gegenüber den FN sagte. Der Fussballklub ist momentan am Organisieren eines passenden Datums für die Reise.
Teil 3: Sekulic-OK bezahlte ohne Belege
Freiburger Nachrichten, 8. August 2020

Nach dem Mémorial-Sekulic-Turnier 2019 verbleiben offene Forderungen im sechsstelligen Bereich. Nun nimmt das Organisationskomitee erstmals Stellung. Es hat rechtliche Schritte gegen ein früheres Mitglied eingeleitet.
Im Juni letzten Jahres strömten rund 5000 Kinder aus 514 Fussballmannschaften nach Plaffeien. «Bei bestem Wetter konnten wir drei grossartige Turniertage durchführen», schreibt, etwas mehr als ein Jahr später, das Organisationskomitee (OK) des Mémorial Sekulic 2019 in einem Communiqué. Es äussert sich zum ersten Mal zum Turnier, das enttäuschte Kinder, ein Loch in der Kasse und viele offene Fragen hinterliess. Neben dem Bericht über das schöne Wetter ist im Communiqué von begangenen Fehlern und finanziellen Forderungen die Rede. Ein Jahr nach seiner Austragung ist das Turnier noch nicht Geschichte.
Am Anfang stand ein Versprechen, das nicht eingehalten wurde (FN vom 20. November 2019). Die am Mémorial Sekulic 2019 teilnehmenden Nachwuchskicker erhielten ei-ne Reise in den Europapark geschenkt. Doch dann fehlte das Geld für die Durchführung. Zwar reisten 400 Kinder in den Freizeitpark, knapp 1000 gingen aber leer aus. «Leider wurden Fehler begangen», schreiben OK-Präsident Hanspeter Piller und der Präsident des FC Plaffeien, Andreas Schrag, im Namen des Organisationskomitees.
Zu viel Eigenverantwortung
Konkret habe das OK der Person, die für Sponsoring und Marketing verantwortlich war – und sich unter anderem um die Europapark-Reisen gekümmert hat –, zu viel Freiraum gegeben und ihr Vorgehen zu wenig kontrolliert.
So gibt es über ein Jahr nach dem Grossanlass gegenüber dem damaligen Sponsoringverantwortlichen offene Forderungen im hohen fünfstelligen Bereich. Diese kamen zustande, weil das OK dem Sponsoring- und Marketingverantwortlichen eine prozentuale Entschädigung aus den Sponsoringeinnahmen zugesichert hatte. Doch das Geld wurde dem Verantwortlichen bereits im Vorfeld teilweise als Akontozahlung überwiesen, noch bevor die Beiträge der Sponsoren eingegangen waren. «Leider hat das Komitee zu spät festgestellt, dass die Einnahmen bei weitem nicht dem Budget entsprachen und dass entsprechend zu hohe Akontozahlungen geleistet worden waren.» Die Einnahmen seien grösstenteils während des Turniers eingegangen. «Erst da wurden die Versäumnisse aufgedeckt.» Das OK habe sich auf die Aussagen des Verantwortlichen verlassen, ohne sie im Detail zu prüfen.
Wie kam es dazu? Es sei normal, dass innerhalb eines Organisationskomitees jeder für sein Ressort verantwortlich sei, schreibt Andreas Schrag auf Rückfrage der FN. «So wurde auch beim Marketing zuerst nicht verifiziert, ob die gemachten Aussagen und Versprechen stimmten, zumal es sich um eine dem FC Plaffeien nahe stehende Person gehandelt hat.»
Rechtliche Schritte
Das OK habe lange an eine einvernehmliche Lösung mit dem ehemaligen OK-Mitglied geglaubt. «Das war auch der Grund, weshalb bisher keine offiziellen Stellungnahmen unsererseits zu den diversen Medienberichten erfolgten», heisst es im Communiqué. In der Zwischenzeit ist die Person aus dem Komitee ausgeschieden, und das OK hat nun rechtliche Schritte eingeleitet: «Das OK Sekulic 2019 hat ihr gegenüber eine erhebliche Forderung offen, die leider auf dem Rechtsweg eingetrieben werden muss.» Der Marketingverantwortliche wollte sich auf Anfrage der «Freiburger Nachrichten» nicht zu den Vorwürfen äussern.
Konkurs eines Sponsors
In den noch ausstehenden Forderungen von rund 100 000 Franken sind auch mehrere Zehntausend Franken enthalten, die ein grösserer Sponsor dem OK schuldet. Sein Unternehmen war in die Organisation des Grossanlasses involviert, ging aber kurz nach dem Turnier in Konkurs und konnte so nicht den gesamten zugesicherten Sponsoringbetrag überweisen.
Inkassobüro treibt Geld ein
Um die offenen Beträge einzutreiben, hat das OK ein Inkasso-Unternehmen beauftragt. «Zum heutigen Zeitpunkt sind die Chancen objektiv betrachtet eher gering, dass die ausstehenden Debitorenbeträge noch vollumfänglich beglichen werden.» Dies hänge insbesondere mit dem Konkurs des grösseren Sponsors zusammen, erklärt Schrag. «Der FC Plaffeien wird aber alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um die Forderungen soweit möglich einzutreiben.»
Nebst den offenen Forderungen hat das Sekulic-Turnier selbst gegenüber zwei Gläubigern sowie gegenüber OK- Mitgliedern noch unbezahlte Rechnungen im Umfang von «wenigen Zehntausend Franken» offen, steht im Communiqué. Worum es bei diesen Rechnungen geht, wollte das OK den FN nicht sagen. «Diese Fragen betreffen Finanzdetails und sind Gegenstand von laufenden Verhandlungen. Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass ich darauf im Moment keine detaillierte Antwort geben kann», schreibt Schrag, der sich gegenüber den FN nur schriftlich äussern wollte.
FC Plaffeien leidtragend
Das OK hat weitgehend unabhängig vom FC Plaffeien fungiert. Der Fussballklub sei als austragender Verein aber trotzdem leidtragend, so der Vereinspräsident. «Die Vereinsmitglieder sind insofern betroffen, als das Turnier nicht den erhofften Gewinn abgeworfen hat.» Deshalb habe der Verein den Gürtel enger schnallen müssen. Geplante Investitionen in die Infrastruktur, die mit dem Gewinn hätten finanziert werden sollen, hat er zurückgestellt.
Schliesslich entschuldigt sich das OK bei allen, die negative Folgen hinnehmen mussten. «Das OK ist trotz allem bemüht, die noch offenen Punkte baldmöglichst einvernehmlich zu regeln.»
Rechtsstreit: Concordia hat Strafanzeige zurückgezogen
Wie die Staatsanwaltschaft Freiburg auf Anfrage der FN bestätigte, wurde die Strafuntersuchung gegen zwei Verantwortliche des Mémorial-Sekulic-Turniers 2019 in Plaffeien am 11. Mai eingestellt. Die Concordia-Versicherung hatte zuvor Anzeige wegen Veruntreuung erstattet.
Es ging um 1100 Franken. Concordia hatte diesen Betrag im August 2019 an die Sekulic-Verantwortlichen überwiesen, um jungen Fussballspielern eine Reise in den Europapark zu finanzieren. Die vom Turnier-OK geplanten Reisen wurden aus finanziellen Gründen aber mehrheitlich abgesagt.
Im Anschluss an die Absage forderte Concordia Anfang Oktober 2019 die Verantwortlichen des Sekulic-Turniers auf, den Betrag innert zehn Tagen zurückzuzahlen.
Mitte November meldete sich laut Concordia der Sponsoringverantwortliche. Er habe sich geweigert, das Geld zurückzuzahlen, da der Betrag mit einer Standaktion des Unternehmens während des Turniers verrechnet worden sei, so das Unternehmen. Gegenüber den FN hatte der Sponsoringverantwortliche im Februar dieses Jahres bestätigt, dass Concordia das Geld einbezahlt habe. Der Betrag sei Teil eines Arrangements gewesen für eine Standpräsenz des Unternehmens am Turnier: Mit der Einzahlung des Geldes für die Europapark-Reisen habe er der Concordia als Gegengeschäft einen Stand auf dem Turniergelände zum halben Preis angeboten, also für 1500 statt 3000 Franken.
Nach der Kontaktaufnahme mit dem Sponsoringverantwortlichen habe Concordia dann nichts mehr gehört und auch das Geld nicht zurückerhalten, so die Kommunikationsverantwortliche von Concordia, Astrid Brändlin. Mitte Dezember reichte das Unternehmen Strafklage wegen Veruntreuung ein. «Zum Zeitpunkt der Einreichung der Strafanzeige präsentierte sich die Situation so, dass seitens der Sekulic-Verantwortlichen ein zu einem bestimmten Zweck (Europapark-Reise) überwiesener Geldbetrag nicht für diesen Zweck verwendet worden war», schrieb Astrid Brändlin auf Anfrage. Dieses Verhalten habe aus Sicht von Concordia den Straftatbestand der Veruntreuung erfüllt.
Die beiden Parteien haben sich schliesslich doch noch geeinigt. «Der Rechtsvertreter einer involvierten Person ist im März 2020 auf uns zugekommen, um die Angelegenheit gütlich zu regeln», so Astrid Brändlin. Der von Concordia für Europapark-Reisen ausbezahlte Betrag sei in der Folge zurückbezahlt worden. Einen Tag nach der Überweisung des Geldes habe Concordia die Strafanzeige zurückgezogen, «da der Straftatbestand der Veruntreuung und damit unser Interesse an einem Strafverfahren entfiel».
Zu einem Strafverfahren wäre es sowieso nicht gekommen. Wie der Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage der FN sagte, wurden die Gespräche zwischen einem der Turnierverantwortlichen und seinem Gesprächspartner aus der Freiburger Niederlassung der Klägerin Concordia nicht schriftlich dokumentiert. Deshalb konnte nicht geprüft werden, ob die Nichtzuteilung der gesamten Summe für eine Reise in den Europapark legitim war.
Concordia wies die Mutmassung von sich, dass sie eine Strafanzeige eingereicht habe, um Druck auf die Gegenpartei auszuüben. «Die Strafanzeige wurde eingereicht, weil ein nicht tolerierbares, strafbares Verhalten vorlag, und keineswegs, um Druck auszuüben», so Astrid Brändlin.